TikTok oder Instagram machen ihnen keine Angst – Kunsthandwerker nutzen manchmal dieselben Kommunikationskanäle wie Influencer. Und selbst die KI, die im Jahr 2026 als allmächtige Herrscherin gelten wird, ist ihrem Know-how nicht gewachsen: Sie halten mit dem Lauf der Welt Schritt und halten gleichzeitig ein wenig von der Zeit fest, die viel zu schnell vergeht.
Da ihre Werte in einer ganz anderen Wirtschaftskultur verankert sind als die von Produkten aus fernen Fabriken, wecken sie in uns die Liebe zum kleinen Wunder, zur Seltenheit, zur Innovation und zugleich zur Tradition – und damit eröffnet sich eine ganze Welt: die Welt der Angler, Bronzekünstler, Handschuhmacher, Augenprothesenhersteller, Segelmacher, Lithografen und Bürstenmacher. Ein Verzeichnis, das nichts Weltliches an sich hat – im Gegenteil: Es ist zugleich Motor für Unternehmensgründungen, unsichtbares Fundament bestimmter Luxusbranchen, Reichtum der Regionen und des Kulturerbes. Oder auch ein Gütesiegel der Unabhängigkeit! Was jedoch weder die Gefahr noch die berufliche Unsicherheit beseitigt.
In Japan gelten diese handwerklichen Berufe als nationale Schätze, doch in vielen Ländern kämpfen sie um ihre Sichtbarkeit. Die jährlich stattfindenden Europäischen Tage des Kunsthandwerks tragen dazu bei: In der Schweiz beteiligten sich vier Kantone, darunter Waadt und Genf, an der Veranstaltung, auf die 21 % der rund 15’000 von den Veranstaltern gezählten Besucher entfielen, die nach eigenen Angaben durch „die Erhaltung dieser seltenen Berufe“ motiviert waren und mit mehr als 150 Kunsthandwerkern und Kunsthandwerkerinnen in Kontakt kamen. Zwei von ihnen haben uns ihre Türen geöffnet, bevor ihre Werkstätten im Ansturm der Besucher versanken!